Sprachtherapie
Warum Sprachtherapie?
Kommunikation bestimmt einen Großteil unserer menschlichen Interaktion. Insbesondere die verbale Kommunikation ermöglicht uns die eindeutige Vermittlung von Nachrichten, Botschaften und Absichten an unser Gegenüber. Von zentraler Bedeutung ist hierbei die deutliche Artikulation zur Inhaltsvermittlung.
Behandlungsfelder
Störung der Lautbildung bzw. der Artikulation. Einzelne Laute oder Lautgruppen werden ausgelassen, fehlerhaft gebildet oder durch andere Laute ersetzt. Häufig werden in diesem Zusammenhang auch die Begriffe Artikulationsstörung, phonologische und phonetische Störung oder Dyslalie verwendet.
Eine besondere Form der Aussprachestörungen stellt die VED (verbale Entwicklungsdyspraxie) dar, bei der das Kind Probleme hat, willkürliche und gezielte Artikulationsbewegungen auszuführen oder zu planen.
Bei Sprachentwicklungsstörungen setzt der Spracherwerb meist verzögert ein und / oder verläuft nicht altersgemäß. Meist sind ein oder mehrere der folgenden Bereiche betroffen: Aussprache, Wortschatz, Grammatik und Sprachverständnis. Sprachentwicklungsstörungen können sich sehr früh, bereits ab einem Alter von 2 Jahren zeigen. Häufig ist dabei neben dem Kommunikationsverhalten auch das Spielverhalten der Kinder auffällig.
Grammatik und Satzbau sind nicht altersgerecht entwickelt. Das Kind bildet z. B. unvollständige oder verdrehte Sätze, kann die korrekte Pluralform nicht bilden oder hat Schwierigkeiten mit den Fällen.
Kinder mit zentral-auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen verfügen über ein intaktes Hörvermögen, können jedoch die Höreindrücke nicht altersgemäß verarbeiten. So können sie beispielsweise ähnlich klingende Laute nicht voneinander unterscheiden oder besitzen eine verkürzte auditive Merkspanne, das heißt sie können sich gehörte Informationen nur eingeschränkt merken.
Beim Stottern ist der Redefluss durch Blockierungen und/oder Wiederholungen von Lauten, Silben oder Worten gestört. Die Stärke des Stotterns ist oftmals situationsabhängig und die Betroffenen haben häufig einen starken Leidensdruck.
Das Poltern ist gekennzeichnet durch sehr schnelles, überhastetes Sprechen, die Aussprache ist meist undeutlich und für Außenstehende schwer verständlich. Silben werden oft ausgelassen oder zusammengezogen. Es kann zu Wiederholungen ähnlich dem Stottern kommen. Den Betroffenen sind ihre Sprechprobleme meist nicht bewusst.
Stimmstörungen können aufgrund funktioneller Probleme (Überanstrengung, unökonomischer Stimmgebrauch) oder aufgrund einer organischen Ursache (Veränderungen der Gestalt und Beweglichkeit der Stimmlippen z.B. durch Polypen oder Tumore) entstehen. Die Stimme kann rau, heiser, gepresst, leise, brüchig oder auch knarrend klingen, weitere Symptome sind oft Räusperzwang und schnelle Stimmermüdung.
Stimmstörungen werden bei Kindern in der Regel durch einen falschen Stimmgebrauch z.B. sehr lautes Sprechen / Schreien verursacht, wodurch organische Veränderungen an den Stimmlippen (Stimmlippenknötchen) entstehen können. Die Stimme klingt dann meist rau, heiser, gepresst oder brüchig.
Unter Rhinophonien versteht man mögliche Veränderungen des Stimmklangs und der Aussprache, die durch organische Veränderungen im Nasenraum (z.B. durch eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) oder eine Fehlfunktion des Gaumensegels bedingt sind.
Bei einer myofunktionellen Störung ist der Schluckablauf verändert. Die Diagnose „Viszerales Schluckmuster“ wird überwiegend von Kieferorthopäden und Zahnärzten gestellt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes inkorrektes Schluckmuster, bei dem die Zunge während des Schluckvorgangs mit Druck gegen die Frontzähne drückt oder zwischen den Zahnreihen liegt. Ursachen hierfür sind meist eine Kombination aus einer schwachen Mund- und Zungenmuskulatur und dem falsch erlernten Schluckmuster.
Bei einer Dysphagie ist das Schlucken erschwert oder kaum mehr möglich. Es kommt häufig zum Verschlucken von Nahrung, Flüssigkeiten oder Speichel. Ursachen für eine Schluckstörung können als Operationsfolge, im Rahmen einer degenerativen Erkrankung wie z.B. multipler Sklerose (MS) oder Morbus Parkinson oder nach Hirnschädigungen auftreten.
Eine Sprechapraxie ist eine Beeinträchtigung der Fähigkeit, Sprechbewegungen gezielt anzusteuern, d.h. im Gehirn zu „programmieren“. Die Sprechmuskulatur ist bei einer reinen Sprechapraxie voll funktionsfähig.
Unter einer Dysarthrie versteht man eine Sprechstörung aufgrund einer Lähmung, Schwäche oder Koordinationsstörung der Sprechmuskulatur. Die Aussprache klingt verwaschen und undeutlich. Das Verstehen von Sprache, die Wortfindung und das Lesesinnverständnis sind nicht betroffen. Krankheiten, die häufig mit einer Dysarthrie einhergehen, sind z.B. Morbus Parkinson, amyotrophe Lateralsklerose (ALS), multiple Sklerose (MS) oder Schädel-Hirntraumen nach Unfällen.
Bei einer Aphasie liegt ein teilweiser oder vollständiger Verlust von bislang vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten vor. Ursachen sind meist Schlaganfälle, Hirnblutungen und Schädel-Hirnverletzungen. Die betroffenen Personen haben oftmals Wortfindungs- und Satzbildungsstörungen und häufig auch Schwierigkeiten Sprache zu verstehen. Desweiteren können auch andere sprachliche Ebenen wie Lesen und Schreiben betroffen sein.